No One Likes Us, We Don’t Care!


Diesen wunderbaren Text hat Merle Ibach auf Ihrer Internetseite veröffentlicht. Der Text hat uns so gefallen, daß wir gleich gefragt haben ob wir den auch auf unserer Seite zeigen dürfen. Nicht nur das Merle auch eine wunderbare Ecume de Mer Ihr eigen nennen darf, die übrigens im Gegensatz zu der unseren schon mehr als den Greifswalder Bodden gesehen hat, sondern wir sehen die Probleme des Segelsportes ziemlich ähnlich. Klar segeln wir ab und zu mal eine Regatta. Meistens landeten wir bisher auf dem vorletzten Platz. Ja und. Wir machen das ja auch weil es uns Spass macht und nicht um irgendwelchen Trainern, Eltern oder dem Schifferrat zu gefallen. Und wenn wir mit unserer Carbonrennyacht rausfahren um Kaffe zu trinken und in der Sonne zu baden, dann ist das halt so. Wir wollen  es allen ermöglichen die es interessiert auf unseren Booten mehr über sich selbst, die Natur und die Menschen in Ihrer Umgebung zu lernen. Unsere Boote sind dafür da, daß unsere Mitglieder damit machen können was sie wollen. Das gefällt  so manchem nicht, wir finden das gut!

 Und nun viel Vergnügen beim lesen. Ach ja, wen es interessiert: Da unten links in der Ecke ist der Link zu Ihrem Blog, da gibt es die neuesten Abenteuer mit Ihrer Ecume de Mer (Super Boot!!!, wir haben ja auch eine)

Aiaiai, da saß ich gerade eingepfercht zwischen Roland Gäbler (Bronze bei Olympia und Hochgeschwindigkeitsrekord) und Michael Walther (Crewmitglied der einzigen deutschen Extreme 40 Kampagne) auf dem Sofa und habe einer Talkrunde zu dem segelpolitisch brisanten Thema des „Fehlenden Nachwuchses in der Segelszene“ beigewohnt. Gerne wäre ich gestorben, aber um es political correct auszudrücken: Es war interessant.

Und es war tatsächlich interessant, insbesondere weil es meine erste Fernsehaufzeichnung war. Eigentlich rede ich total gerne, wie wahrscheinlich jeder weiß, doch ist Fernsehn etwas sehr anderes, allein schon deshalb, weil man keine direkte Reaktion der Zuschauer bekommt, aber auch weil einem plötzlich so viele Fragen durch den Kopf schießen, über die man sich bisher noch nie Gedanken gemacht hat. Es war mir bisher doch eher gleich, wie ich gerade auf dem Hocker sitze und wenn ich anderer Meinung war, dann  habe ich eben widersprochen. Doch hier traf Professionalität auf Natürlichkeit und die Natürlichkeit sank – mitsamt ihres Kapitäns.

Wie hättet ihr reagiert, wenn ein sogenannter Profisegler in einwandfrei formulierten Sätzen und mit einem Lächeln in die Kamera erzählt, dass Segeln für jeden möglich ist, quasi nichts kostet und auch noch total super unterstützt wird, wie man an dem „Sailing Team Germany“ gerade sehen kann. Und wenn dann noch ein zweifach gekührter „Deutscher Segler des Jahres“ den Faden aufgreift und sagt „man müsse doch einfach nur vorbei kommen und jeder würde mitgenommen, der nur Lust hat“. Antworten schossen mir tausende durch den Kopf, doch vor Verblüffung fehlten mir die Worte und bis ich es dann ebenso schön ausformuliert hatte, wie der junge aufstrebende Sunnyboy neben mir, war das Thema auch schon vorbei. Fuck man; „In Schweden bekommt man ein Folkeboot für 3000 Euro und schon geht’s los“,  dass es einen Sack an Vorwürfen noch gleich dazu gibt, verschweigt man da lieber. Obwohl, vielleicht sehe ich das ja mittlerweile selbst schon zu nihilistisch. Ich glaube, ich rufe den Roland morgen an und frag ihn, ob er mich mit zu Olympia nimmt.

Leider habe ich die Szene des Leistungssports viel zu gut kennen lernen dürfen um die Hintergründe solcher Aussagen zu verstehen: medienwirksames Auswendiglernen auf hohem Niveau. Doch bei solchen Aphorismen muss sich doch echt niemand wundern, wenn aus dem Nachwuchs im Segelsport nichts wird. Denn gerade um den Leistungssport geht es da einmal nicht, da wird es immer genug „Material“ geben, dass – wie Roland Gäbler richtig festgestellt hat – verheizt wird. Es geht um die Leute in meinem Alter, die ihr Vollzeitstudium durchziehen, ihr Klopapier bei Penny kaufen und in den Semesterferien eine Woche in die Dänische Südsee fahren möchten, die Idee aufgrund der Chaterpreise für Segelboote aber wieder verwerfen. Oder die Kinder, die nach einem Jahr Opti-über-den-Teich-jagen-und-alle-zwei-Minuten-wenden es einfach langweilig finden und der Ansporn fehlt. Da ist dann Surfen/Kiten/Bouldern/Skaten doch etwas attraktiver. Außerdem hat Segeln mit seinen ganzen versnobbten Polohemdchen nicht gerade ein cooles Image – mal ganz ehrlich. Und wie oberflächlich es auch klingen mag, ich denke GENAU DAS ist der Grund, warum es nicht ankommt. Das ganze Thema Nachwuchs ist also eher eine Frage von Werten die vermittelt werden sollen. Dass es nicht teuer sein muss, das wissen wir, die wir Segler sind und auch Erfahrung mit Vereinen haben. Doch das Bild, dass die Segelszene nach außen hin, also in der Öffentlichkeit, vertritt ist eben genau das des elitären Leistungssports, was durch die großzügige und einseitige Förderung des „Sailing Team Germany“ unterstützt wird. Warum gibt es denn andererseits keine Subventionen, wenn es um das Interesse an anderen Kulturen, Natur und Persönlichkeitbildung geht?

Und jetzt stellt euch vor, ich hätte das alles gesagt. Mindestens einer hätte blöd dagestanden: entweder ich, die beiden erfolgsstrebenden Leistungssportler oder die sympathische Moderatorin. Schließlich hatte sie die Runde folgendermaßen anmoderiert (sinngemäß, nicht wortwörtlich): … und wollen wir hier einen kleinen Einblick in das Segeln geben um mehr Menschen auf das Wasser zu bringen.

© Merle Ibach