Törn rund Usedom


09. bis 12. August 2012

  

GPX-Aufzeichnung des Törns

Unsere Route per GPS-Logbuch

Am Donnerstag trafen wir uns am späten Vormittag nach einer etwas spektakulären Anreise – Autopanne und Leihwagenzirkus inklusive – am Anleger der Ecume mit Gerrit. Dieser erklärte uns kurz die technischen Finessen des Bootes. Daraufhin wurde die Ecume fleißig ein- und umgeräumt sowie ein wenig aufgepäppelt. Sie bekam eine neue Verbraucherbatterie und einen vollen Dieseltank. Nachdem sich das Schiff fahrtentüchtig anfühlte, machten wir auf Grund der vorangeschrittenen Tageszeit einen kleinen Probeschlag über den Bodden bis zu den alten Bohrinseln und wieder zurück. Das gab allen die Möglichkeit das Boot kennen zu lernen und den frischgebackeneren Seglern unter uns ihre Seefestigkeit ein wenig auf die Probe zu stellen. Außerdem konnte sich so die vierköpfige Crew weiter aneinander gewöhnen, bevor es am nächsten Morgen für drei volle Tage auf hohe See gehen sollte. Die Crew, das bedeutet: Bodo, alter Freund von Henner und U-Boot-Maschinist; Henner, schon etliche Seemeilen auf dem Buckel; Helen, die frischgebackenste Seglerin unter uns mit (Gott-sei-Dank) ungerechtfertigter Sorge vor Seekrankheit; und Paul, ich. Das klingt doch vielversprechend! Im Morgengrauen machten wir uns dann also am Freitag Richtung Usedom auf. Der Himmel war zwar sehr bedeckt und die Sonne hatte zu kämpfen, um sich ab und an zu zeigen, aber nachdem wir Rasmus gegen 10 Uhr einen Besänftigungsschluck gaben, frischte der Wind etwas auf und von Regen blieben wir auch verschont. So segelten wir bei ruhiger See und gemütlichen drei bis vier Beaufort der Boddenöffnung entgegen und fielen dort in den Peenestrom ab. Da wir ja schon einige Stunden auf dem Wasser waren, legten wir in Peenemünde an. Dort genehmigten wir uns eine Stärkung und schlenderten ein wenig durch den Haupthafen.

Hier liegt ein altes, konventionell an-getriebenes U-Boot U-461 der ehemaligen Baltischen Rotbannerflotte. Ende der fünfziger Jahre wurde dieser U-Boot Typ als Gegenwaffe von gegnerischen Überwassergruppierungen, speziell US-Flugzeugträger Kampfgruppen entwickelt. Geplant waren 72, tatsächlich kamen aber nur 16 Einheiten in den Dienst, die restlichen sind im Zuge des forcierten Baus von nukleargetriebenen U-Booten gestrichen worden. Das U-Boot ist sehr interessant zu sehen und ist als größtes U-Boot Museum der Welt auch begehbar. Wir sparten uns jedoch die Besichtigung von innen und dieselten bald wieder aus der Hafenausfahrt hinaus, um die Öffnungszeit der Peenebrücke Wolgast um 16:45 Uhr nicht zu verpassen. Der Wind war sanft und kam achterlich, sodass wir uns dazu entschlossen das erste Mal den Gennaker zu setzen, der im Laufe des Törns zu unserem Lieblingssegel werden sollte. Wir segelten allen auf unserem Weg davon und hatten dementsprechend noch eine gemütliche, 20-minütige Wartezeit festgemacht an einem Poller vor der Brücke.

Peene-Werft

Peene-Werft

Der Himmel wollte immer noch keine Sonne freigeben, aber bei frischem Wind und mit sportlichem Ehrgeiz holten wir noch einmal alles aus dem Laken heraus, um unseren Übernachtungshafen noch vor Einbruch der Dunkelheit zu erreichen. Wir passierten die leider insolvente Peene-Werft bei Wolgast und ließen auch das Krumminer Wiek auf backbord liegen, bis wir in das Achterwasser kamen, wo wir uns Stagnis als Zuflucht für die Nacht ausgesucht hatten.

In den Gewässern um Usedom wird es teilweise sehr flach, gerade bei der Einfahrt in den Hafen von Stagnis ist äußerste Vorsicht geboten, da nur eine wirklich nicht leicht zu erkennende ausgebaggerte Hafeneinfahrt verhindert, dass man auf den sandigen Grund läuft. Doch dieser kleine Naturhafen wurde uns schon in Greifswald empfohlen und entschädigte den Aufwand mit seiner Idylle. In direkter Nachbarschaft liegt ein Campingplatz mit guten Sanitäranlagen und einer kleinen Kneipe. Nur leider entstanden zu unserer Zeit noch Häuser am Ufer wodurch doch vieles nach Baustelle aussah. Wir hatten dank der nahen Getränkeversorgung aber trotz des Baustellenambientes einen schönen Abend und in absehbarer Zeit ist dieser Hafen bestimmt ein absoluter Traum! Am nächsten morgen riss der Himmel auf und wir machten uns wieder früh aufs Wasser, um die seltenen Öffnungszeiten (9:40 Uhr, 11:45 Uhr, 16:45 Uhr, 20:45 Uhr) der Zecheriner Brücke zu erwischen und unser letztes Etappenziel Swinemünde entspannt zu erreichen. Wir segelten fast ausschließlich mit Gennaker und erfreuten uns an dem starken Wind von fünf bis sechs Windstärken auf dem geschützten Stettiner Haff. Hier hatte man endlich wieder eine ordentliche Wassertiefe, sodass nach Lust und Laune gesegelt werden konnte. Helen und ich haben uns nachmittags zur See-Siesta ins Vorschiff gelegt, da so wenig Welle war, dass dies sogar bei sechs Beaufort keine Schwierigkeit darstellte. Auch die Patenthalse unserer zwei Seebären verschliefen wir. Am späten Nachmittag und bei langsam ungemütlich werdendem Wind erreichten wir trotz allem die Einfahrt zur geschützten Swine. Wir bargen die Segel und motorten an der überaus interessanten und sehr polnischen Uferlandschaft vorbei, auf der uns ein Fuchs begrüßte. Henner hatte sich unter Deck abgelegt, Bodo übernahm die meiste Zeit die Pinne und Helen und ich legten uns aufs großzügig dimensionierte Vorschiffssonnendeck. Hier ein paar echt polnische Eindrücke von der Swine:

Der Sportboothafen in Swinemünde war zwar gut besucht, doch dank unseres kleinen Seglers fanden wir noch einen Platz in der Nähe von Hafenbüro und Kneipenlandschaft. Der Hafen war sehr belebt und hell, was leider einige Mücken anzog, jedoch eine sehr hübsche Kulisse bot. Und so genossen wir nach einer nötigen Dusche in den nicht so schönen Waschhäusern den Abend im Cockpit bei Fertiggerichten und Tütenwein. Am nächsten Morgen kam Helen aufgeregt von den sanitären Anlagen zurück zum Schiff und verkündete, dass es für den Tag eine Starkwindmeldung gäbe.

Und das an dem einzigen Tag, an welchem wir im Norden der Insel ohne Landschutz gen Greifswalder Bodden segeln wollten. Der Wind war erst für mittags angesagt und so legten wir zeitig ab um schon einen großen Schlag vor Ankunft des Starkwindes zu schaffen. Als wir die Swine verließen und auf die weite, offene Ostsee dümpelten überraschten uns jedoch weder Anzeichen von Starkwind noch von überhaupt irgendeinem Wind. Wir motorten also von der Angst getrieben ein paar Minuten durch die Flaute, bis mir auffiel welches Datum über der Wetterwarnung in Swinemünde hing. Und zwar das vom Tag davor! Die Wetterprognose wird wohl erst nach der Öffnung des Hafenbüros aktualisiert und da wir wieder früh auf waren, sahen wir noch die alte Meldung… Also gab es Entwarnung und wir tuckerten fröhlich und gut gelaunt durch die spiegelglatte See, bis der Schiffsdiesel anfing Probleme zu machen und plötzlich das Gas nicht mehr annahm. Abermals gab es leichte Panik an Bord, da wir vermuteten, dass uns der Diesel ausgegangen war. Mit Mühe und Not kamen wir nach mehrmaligem Neustart des Motors bis zu der Seebrücke von Koserow. Dort ging Henner mit einem leeren Kanister auf die Suche nach Sprit, während wir die Pause für ein „Änkerchen und Schwimmchen“ nutzten.